Dieses Instagram ist schon tückisch. Da wohnt man 4 Jahre nun im Eigenheim, hat sich alles hübsch gemacht, fühlt sich wohl und dann wird man täglich mit den schönsten Trends, den angesagtesten Deko-Elementen und den stylischsten Raumkonzepten im Feed konfrontiert. Mannometer sagt man hier im Ruhrgebiet.

Renovierung und Umgestaltung – es gibt immer was zu tun

Nun gut, das Gäste WC könnte in der Tat einen neuen Anstrich gebrauchen, um nicht zu sagen ein komplettes Makeover. Denn wie das immer so ist, denkt man sich beim Einzug in ein älteres Haus „Das können wir ja immer noch mal machen“. Schließlich steigen die Kosten bei so einem Umbau von alt auf neu immer ins Unermessliche und unterm Strich kommt man nie da an, wo man bei der ersten Kalkulation gestartet ist. So fehlt es dann auch am nötigen Kleingeld um direkt alles super schick zu machen und man konzentriert sich erstmal auf die Dinge, die wichtiger sind.

Aber jetzt, nach 4 Jahren beginnt man schon, sich zu ärgern, warum man es nicht von Anfang an richtig gemacht hat. Mist. Wie gut, das die sozialen Medien rund um Instagram, Facebook und Pinterest tagtäglich dafür sorgen, Salz in die Wunde zu streuen. Diese Metrofliesen haben es mir angetan und dieser Waschtisch aus Naturholz geht mir auch nicht mehr aus dem Kopf. Die neuesten Bilder von Desenio dazu (Juchu, es gibt einen Rabattcode!), die Boho-Details mit Juteteppich und Fransenspiegel und eine große Vase mit Pampasgras – das wäre perfekt. Und der Trend, dass ein Bad viel weniger Nasszelle und viel mehr Wohnraum ist, catched mich zu 100%.

Jetzt wir’s ernst – Handwerker recherchieren, Termine machen, kalkulieren und mehr

Okay, let’s get serious. Ich recherchiere also nach Fliesenlegern aus der Region und mache Termine. Die Ideen sprudeln nur so, es wird gemessen, gerechnet, geräumt und die ersten Angebote trudeln ein. Und schon beginnt der Rattenschwanz. Nicht nur neue Fliesen müssen her, auch die Wände müssen verputzt und gestrichen werden. Der alte spießige Waschtisch soll raus, das Stand WC muss einer Hängetoilette weichen und ein neuer, platzsparender Heizkörper wäre auch nicht verkehrt. Ganz leise höre ich schon die Stimme von meinem Mann in meinem Ohr: „Ich hab Dir doch gesagt, dass so was nicht mal eben gemacht ist! Du weißt schon, dass das richtig teuer wird? Muss das denn alles sein? Das Bad ist doch schön so wie es ist!“

Vor mir lese ich es schwarz auf weiß: Die neuen Fliesen, die Arbeitsstunden, das Material, verschiedene Gewerke (Fliesenleger, Maler). Hilfe, da ist mein Konto schon im Minus bevor ich mich überhaupt an die Deko machen kann. Fast 3.500 € stehen hier auf meinem Zettel. Für ein Gäste WC mit gerade mal 6 qm. Puh…

Jetzt habe ich mich aber schon so auf die Umgestaltung eingeschossen, jetzt gibt es auch keinen Weg mehr zurück. Ich rechne also hin und her, schmeiße Budget aus Gehältern, Sparbüchern und Ebay Verkäufen hin und her (was würden wir wohl noch für den Waschtisch bekommen?) und stelle fest: Mit den Urlauben dieses Jahr, der großen Party zum Geburtstag und dem neuen Garten-Spiele-Paradies für den Kleinen wird das ne ganz knappe Kiste. Also: Wir brauchen einen Plan!

Zugegeben, ich wäre nie auf die Idee gekommen, für eine Umgestaltung des Badezimmers einen Kredit aufzunehmen. Wenn ich Kredit höre, denke ich an eine Immobilie oder ein Auto aber doch nicht an ein neues Gäste-WC, dass ich mir mit Hilfe zahlreicher Pinterestboards zusammengestellt habe. Ich setze mich wieder an den Rechner und finde das magische Wort „Renovierungsdarlehen“. Leckotascho! Nie gehört, klingt aber nach genau dem, was ich suche. Nach einigen Nächten des „Drüberschlafens“, vereinbare ich einen Termin bei der Bank, ganz unverbindlich. Und Mensch, ich muss sagen, das könnte es tatsächlich sein. Ok, rechnen wir das Ganze mal durch:

Kostenübersicht

Fliesen, Gewerke, Wände verputzen 2.600,00 €
Hänge WC, neuer Heizkörper 250,00 €
Bauholzplatte, neuer Waschtisch, Spülbecken 350,00 €
Dekoration (Kwantum, Westwing, H&M Home) 200,00 €
Gesamt: 3.400,00 €

Wenn wir mal ganz großzügig aufrunden, würde ich 5.000 € als Berechnungsgrundlage in den Ring werfen. Für Deko und Co. müssen wir ja schließlich genug Puffer einplanen ;-).

Ablauf der Finanzierung
1. Der Termin

Für den Termin bei der Bank werde ich gebeten, folgende Unterlagen mitzubringen:
– Personalausweises
– 3 Gehaltsabrechnungen
– Grundbuchauszug über Immobilie

Den Termin habe ich bei der Volksbank Rhein-Ruhr. Wenn man, wie wir, bereits ein Konto bei der Bank hat, ist es sogar noch einfacher und die Einreichung der Gehaltsabrechnungen ist nicht notwendig. Anhand des Kontos können die Umsätze ja entsprechend abgelesen werden.

Um ein Renovierungsdarlehen erhalten zu können, muss man Eigentümer einer Immobilie sein. Klingt logisch, oder? In einer Mietwohnung lassen sich die Einrichtungsträume ja bekanntlich recht eingeschränkt verwirklichen, gell?

2. Ermittlung der Kapitaldienstfähigkeit

Unsere Einnahmen werden den Ausgaben gegenüber gestellt und die sog. Kapitaldienstfähigkeit wird ermittelt. Je nachdem wie hoch das Gehalt ist, wird eine sog. Ausgabenpauschale zugeordnet. Diese gibt Aufschluss darüber, ob wir in der Lage sind, die monatliche Rate zahlen zu können. Übrigens wird auch geprüft, ob wir noch andere aktive Kredite laufen haben, z.B. eine Baufinanzierung.

3. Das Angebot

Alle Unterlagen sind eingereicht, unsere Kreditwürdigkeit ist geprüft. Nun geht es ans Eingemachte. Wie lange soll der Kredit laufen, welche Höhe kann/soll die monatliche Rate haben, wie sieht es mit den Zinsen aus?
Ein Beispiel:
a) Kredithöhe 5.000,00 € = mtl. Rate 50,00 € = Laufzeit 9,4 Jahre
b) Kredithöhe 5.000,00 € = mtl. Rate 100,00 € = Laufzeit 4,5 Jahre
Effektiver Zinssatz bei 5 Jahren Laufzeit: 2,29 %
Effektiver Zinssatz bei 5 – 10 Jahren Laufzeit: 2,49 %

Hier wird schon recht deutlich, wie sich das Ganze zusammensetzt. Wir entscheiden uns für eine monatliche Rate von 100,00 € – Ein für uns realistischer Betrag. Natürlich könnte ich bei einem spontanen Geldsegen schneller tilgen, aber ein Erbe ist (zum Glück) noch nicht in Sicht und der lang ersehnte Lottogewinn lässt auch noch auf sich warten.

Dann geht alles ganz fix. Nachdem wir das Angebot mit unserem Berater noch mal besprochen haben, letzte Fragen geklärt haben und alle Unterschriften geleistet wurden, ist es soweit – Noch am selben Tag bekommen wir die 5.000,00 € ausgezahlt. Wow! Da bin ich platt. Das ging ja jetzt echt rubbeldiekatz.

Wie ein kleines Kind freue ich mich und würde am Liebsten laut „Juhu“ schreien. Ich reiße mich allerdings ein wenig zusammen, denn die Handwerker sind schon bei der Arbeit und ich setz die nächste Kanne Kaffee auf, damit sich auch alle wohl fühlen beim Errichten der neuen WC-Oase mit Instachic-Charakter, hihihi. Ich liebe es, wenn es so schön unkompliziert ist. Mein Mann übrigens auch, daher war er schnell zu überzeugen. Schließlich profitiert er auch davon, denn wie heißt es so schön: #happywifehappylife